Elf Stunden durch die Nacht im Flugzeug reichen aus, um vom kleinen Österreich aus in einer anderen Welt zu landen. Das Ziel meiner Reise führt mich diesmal in die beschauliche Einsamkeit Neuseelands. Auf dem Weg Richtung Süden war in Tokyo eine Zwischenlandung notwendig, also eine gute Gelegenheit für einen Kurzaufenthalt von 3 Tagen. Klingt ausreichend und eigentlich nach einer guten Idee, sollte man meinen.

Die Stadt Tokio ist von der Fläche etwa 5x so groß wie Graz, besitzt aber ca. 9,2 Mio Einwohner – der Großraum Tokio ist um ca. 20 % kleiner als die Steiermark und es leben dort ca. 37,6 Mio. Einwohner – damit ist der Großraum Tokyo die größte Metropolregion der Erde.

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Wenn man sich die Fakten ansieht, sollte man eigentlich erkennen, dass sich vernünftiges Sightseeing in einer Stadt dieser Größenordnung in so kurzer Zeit nie ausgehen kann. Das Hotel lag außerhalb des Zentrums in der Nähe des Flughafens, was zur Folge hatte, dass ich pro Tag je nach Intensität ca. 3 – 4 Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln verbringen durfte. Busse und Metro sind sauber und schnell, trotzdem dauerte es bei diesen Distanzen lange, bis man an den jeweiligen Bestimmungsort gelangt.

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Zum Zweiten kann bei dieser Masse von Menschen absolut nichts schnell und reibungslos von statten gehen. Es gibt immer tausende, die zum gleichen Zeitpunkt den gleichen Ort  besuchen wollen. Das  führt dann zwangsweise zu Engpässen an Eingängen, Kassen oder Lifts und natürlich damit verbunden zu langen Schlange und zusätzlicher Wartezeit. Es gab also keinen einzigen, auch noch so unspektakulären Ort, kein Lokal, kein Geschäft, in ganz Tokio an dem ich mich nicht anstellen und  lange warten musste. Faszinierend ist vor allem die Gelassenheit der Leute, für die dieses „queuing up“ offensichtlich selbstverständlicher Teil des täglichen Lebens ist.

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Im Kassenbereich des Zoo’s von Tokio standen ca. 1500 Leute gedrängt für Tickets an, ein guter Grund für mich, die Panda-Bären sausen zu lassen. Beim Skytree – dem höchsten Turm der Stadt war die prognostizierte Wartezeit ca. 6 Stunden. Dort hatte ich aber Glück, dass es für „international Guests“ ein Premium-Ticket gab, das zwar doppelt so viel kostete, dafür aber die Wartezeit für den Lift zur 1. Plattform in 350 m Höhe auf sensationelle 20 min reduzierte.

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Der dritte Grund, weshalb so eine blauäugiges touristisches Programm gehörig durcheinander kommt sind die riesigen, zum Teil auf mehrere Etagen verteilten unterirdischen Einkaufszentren innerhalb der großen Verkehrsknotenpunkte. Hunderte, vielleicht sogar tausende Geschäfte in einem unübersichtlichen Gewirr von endlosen Gängen (wobei jeder Gang gleich aussieht) – direkt wenn man aus der Metro kommt. Unterhalb der Tokyo-Station ging ich verloren. Mehr als eine Stunde war notwendig, einen passenden Ausgang zu finden. Die Infrastruktur ist für Ausgang-Suchende perfekt, die Verpflegung stimmt – deutsches Bier inklusive.

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Alles in allem 5 -6 Stunden gingen dadurch täglich verloren. Da bleibt dann nur wenig Zeit, sich mit den interessanten Dingen selbst zu beschäftigen. Man muss also auf High-Speed Sightseeing umstellen, um zumindest einige interessante Orte besuchen zu können. Ausnahmslos alle Sehenswürdigkeiten waren beeindruckend, die Menschen waren höflich, freundlich und nett.Ein besonderes Erlebnis sind natürlich die bunten, belebten Einkaufs- und Vergnügungsstraßen bei Nacht.

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Aber auch der Ausblick aus dem 45. Stock des Tokioter Rathauses bei Nacht ist ein eindrucksvolles, mit Hunderten anderen geteiltes Erlebnis…

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Die zwei berühmtesten Tempelanlagen Tokyo’s standen ebenfalls auf dem Besuchsprogramm. Als erstes den Meiji-Tempel, der für traditionelle japanische Hochzeitsfeierlichkeiten im Akkord genutzt wird. Die Zeremonien sind für Nicht-Japaner sehr interessant. Auf jeden Fall ist es ein äußerst stilvoller Weg, die persönliche Freiheit aufzugeben.

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Und ebenfalls den Senso-ji Tempel – das ist Tokios älteste und bekannteste buddhistische Tempelanlage und gleichzeitig der Höhepunkt an Menschenansammlung auf wenig Raum. Sollte jemand an  Enochlophobie leiden, ist diese Attraktion unbedingt zu meiden oder nur in Begleitung eines Notfallteams zu besuchen.

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Japan als Gesamtes ist definitiv eine Reise wert – leider war das von mir gewählte Timing schlecht. Bei Gelegenheit werde ich Japan richtig bereisen, wobei aber zumindest 10 Tage für Tokyo veranschlagt werden. Jetzt geht’s die nächsten 11 Stunden in den Flieger mit dem Ziel Auckland – ins Land der Kiwi’s und Hobbits. Ich gehe davon aus, von dort inhaltsvolleres berichten zu können.

Bis bald, Heinz

 

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