Der Grenzübertritt nach Uzbekistan war mit einem Zeitaufwand von 2 ½ Stunden sehr rasch und reibungslos über die Bühne gegangen. An der turkmenischen Grenzstation traf ich ein deutsches Paar, das bereits seit Stunden wartete, weil sie die 85 USD extra „Einreisegebühr“ pro Person nicht bezahlen wollten. Bei der Ausreise erwartete mich wieder der bereits gewohnte Formular- und Schulheftmarathon, der diesmal aber etwas flotter über die Bühne ging.

Auf uzbekischer Seite war sogar eine Computer im Einsatz, der nicht nur zum Spielen verwendet wurde. Die Zollkontrolle war sehr gründlich, besonders misstrauisch wurden die Zöllner als sie meine Bücher sahen. Jedes einzelne wurde durchblättert und mangels Sprachkenntnisse musste ich deren Inhalt erklären – politische Schriften sind in Uzbekistan nicht erwünscht. Für das Motorrad waren weder Gebühren, Wegzoll noch Versicherung zu bezahlen. Formulare waren trotzdem in ausreichender Menge vorhanden, man stellte mir dafür sogar einen persönlichen Assistenten bei. Die Beamten waren sehr nett, die gesamte Prozedur verlief in freundlicher und entspannter Atmosphäre, warum das so war weiß ich nicht. Ich gehe davon aus, es liegt am Motorrad und an dem Umstand dass ich ohne Begleitung unterwegs bin. Das weckt Interesse, ist immer gut für eine Reihe von Fragen und sorgt bei den Leuten für etwas Respekt. Sobald ich erwähne dass ich alleine reise, gibt’s durchwegs anerkennende Gesten.

Ich hatte später von einigen Individualreisenden die vor allem mit dem Bus unterwegs waren erfahren, dass sie mit massiven Problemen bei der Einreise nach Uzbekistan zu kämpfen hatten.Ich traf in Buchara einen Amerikaner der aus Kirgistan einreiste, trotz gültigem Visum ließ man ihn an der Grenze so lange warten, bis er nachgab und 50 USD Bakshish bezahlte.
Die Straßen sind relativ gut in Uzbekistan, Benzin ist mit 80 oder 91 Oktan erhältlich und kostet ca. 50 Cent pro Liter, das Tankstellennetz ist weitaus dichter als in Turkmenistan, die Zapfsäulen sind aber in ländlichen Gegenden ebenfalls antiquiert. Das bedeutet aufpassen beim Tanken und immer voll machen, um etwas Kontrolle zu besitzen.

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Eine Besonderheit die man wahrscheinlich nur in Usbekistan antrifft ist das Geld, die Sum. Die größte Banknote mit 1000 Sum besitzt einen Wert von vielleicht 40 Cent. Man kann sich also vorstellen, mit welchen Packen Geld man durch die Gegend läuft, wenn man 100 € gewechselt hat.
In Nukus hatte ich offiziell bei der Nationalbank gewechselt, um zumindest ein Zertifikat für ordnungsgemäßen Geldtausch vorweisen konnte. Der offizielle Wechselkurs für Euro liegt ungefähr 20 % unter dem Schwarzmarktwert, die Damen hinter dem Tresen der Bank taten mir leid, weil sie alles mit der Hand zählen mussten. Ihre Zählmaschine war leider seit 2 Jahren kaputt und Ersatz gab es keinen, weshalb sie einen besonders flotten Finger benötigten. Die Menschen sind hier aber anscheinend daran gewohnt, für sie ist es nichts besonders. Jeder denn ich getroffen habe, war extrem Schnell beim Sum zählen.

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Die Geldwechsler am Schwarzmarkt mit Packtaschen voller Sum

Neben der Besichtigung von Konye-Urgench war ein weiterer Grund so weit in den Norden zu fahren, dass ich durch die Wüste an das Ufer des Aral-Sees gelangen wollte. In Moynaq – der nördlichsten Siedlung Usbekistans lag bis vor 40 Jahren der größte Hafen des Orol Dengizi, heute ist diese Stadt knapp 200 Kilometer von der Küste entfernt. Der drastische Rückgang des Sees resultiert aus der unkontrollierten Wasserentnahme aus dem Amudaryo (Oxus, Amur) durch die noch unter Sowjetherrschaft hauptsächlich für Baumwollplantagen errichteten Bewässerungskanäle in Turkmenistan und Uzbekistan.

In Nukus wollte ich Erkundigungen wegen eines geeigneten Weges einholen, jedoch rieten mir mehrere Personen unabhängig voneinander davon ab. 400 Kilometer durch eine unbefestigte Sandwüste ohne Wasser und Benzin, keine vorgegebene Routen oder detaillierte Karten – dies ist alleine zu gefährlich. Auch die Einheimischen fahren hier nur im Konvoi.
Nachdem ich niemanden auftreiben konnte der ebenfalls dorthin wollte und dem ich mich anschließen konnte, blieb mir nichts anderes übrig als gleich den Weg nach Süden einzuschlagen. Vielleicht gelingt es mir von Kasachstan aus an den Aral-See vorzudringen.

Wie immer, wenn ich irgendwo unterwegs anhielt wurde ich von einer Menschenmenge umringt, alle möchten sich mit mir oder Kati fotografieren lassen. Die Alten hier waren besonders interessiert, jedes Detail des Motorrades wollten sie erfahren, am meisten beeindruckt hatte sie aber der Ventilator des Wasserkühlers.

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Bei der Einfahrt in Xiva

Xiva (Chiwa) – das letzte unabhängige Khanat inmitten der Karakum war bekannt für seine Sklaven-Karawanen, barbarische Grausamkeiten und entbehrungsreiche Märsche durch die Wüste. Die Altstadt von Xiva mit seinen engen Gassen und ebenerdigen, aus ungebrannten Ziegeln gebauten haulis (Wohnhäuser), Moscheen, Palästen, Medresen und Minaretten hat seinen orientalischen Charakter stärker als anderen Städte erhalten und gleicht einem Freilichtmuseum. Die Stadt beeindruckt, man merkt das Xiva zu den großen 3 Stationen der Seidenstrasse in Usbekistan gehört – dort wo früher Sklaven gehandelt wurden können jetzt Seidenteppiche, Ansichtskarten und Souvenirs erstanden werden.

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Die Stadtmauer von Xiva mit dem vollständig restaurierten Tor Ata Darwase

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Das Mausoleum des Volksheiligen Pahlawan Mahmud mit dem letzten bedeutenden islamischen Bauwerk in Zentralasien das vor der Revolution errichtet wurde – das Minarett der Medrese Islam Hodscha

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Das unvollendete Minarett Kalta Menar vor der Medres Amin Khan – im Jahre 1855 hatte Amin Khan vor ein Minarett zu bauen, mit dem man bis nach Buchara sehen könnte (400 Km) – nachdem der Fürst in einer Schlacht fiel, wurden die Bauarbeiten eingestellt

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Die Medrese Muhammad Rahim Khan II. aus dem 19. Jhdt.

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Touristische Highlights

Von Ashgabat nach Norden durch die Wüste Karakum waren es 700 km, jetzt auf der anderen Seite der Grenze musste ich über die gleiche Distanz durch die Wüste Kizilkum in den Süd-Osten zurück. An den Polizeistationen werden ich nun regelmäßig angehalten, die Papiere oder die Geschwindigkeit sind Nebensache, die Polizisten möchten einmal Blinken, Hupen oder Gas geben. Motorräder sind Mangelware in Zentralasien, einzig am Land sieht man ab und zu ältere Maschinen sowjetischer Bauart, ähnlich einer Puch 250 oder Royal Enfield Bullet.

Buchara – die Oase inmitten der Wüste Kizilkum hatte bereits Goethe zu Dichtungen inspiriert. Sie trägt den Beinamen „scherif“ – die Edle, gilt als einzigartig und einmalig in der islamischen Welt, ist der heiligste Ort Zentralasiens und wenn man Dokumente und Berichte durchforscht, findet man niemanden der nicht zutiefst von der Stadt beeindruckt gewesen wäre.
Bereits seit mehr als 2500 Jahren ist dieser Ort ein wichtiges Kultur- und Handelszentrum. Im Mittelalter war es über Jahrhunderte durch seine Lage an der Seidenstrasse bevorzugt – ab hier unterteilte sich der Handelsweg in Richtung Osten in eine Nördliche Route über Samarkand und Fergana nach China und in eine südliche Route durch das Pamir-Gebirge und das Tamir-Becken in das Reich der Mitte. Waren es früher Gelehrte, Künstler oder Karawanen und Händler die das Leben in Buchara prägten, so ist es heute das Erdgas, dass der Stadt wirtschaftlich ihren Stempel aufdrückt. Mit prognostizierten 500 Mrd. m³ liegt unweit der Stadt eines der größten Erdgasvorkommen der Welt.

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Blick über die Stadt Buchara, im Vordergrund sieht man die Festung Ark, im Hintergrund das historische Stadtzentrum

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Moschee und Minarett Kalan – der 45 m hohe Turm ist das Wahrzeichen von Buchara (Beginn 16. Jhdt)

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Gegenüber der Moschee Kalan liegt die Medrese Mir-e Arab (Mitte 16. Jhdt.)

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Das Betreten der Medrese ist nur für den Eingangsbereich erlaubt, ins Innere gelangt man nicht – durch ein Steingitter kann man Koranschüler beim Tischtennis spielen beobachten

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Die Kuppel der Medrese Mir-e Arab bei Nacht

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Das Mausoleum der Samaniden – auf einem ehemaligen Friedhof der im Laufe der Zeit zu einem Park umgewandelt wurde, liegt das historisch wertvollste islamische Bauwerk das in Zentralasien noch erhalten ist. (9./10. Jhdt.)

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Setare-je Mah-e Chase – der Palast des letzten Emirs von Buchara – Said Alim Khan

Ich war inmitten des historischen Zentrums in einem kleinen B&B untergekommen. Bereits anfang Mai steigen die Temperaturen auf 40 Grad, im Juli sogar auf 55 Grad. Ich beschloss hier ein paar Tage zu verbringen – einerseits wegen der Stadt und den Sehenswürdigkeiten, andererseits war es nach 10 100 Kilometern Zeit für das nächste Motorservice.

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Meine Wirtin bei der Maulbeer-Ernte – unter den Maulbeer-Baum war ein grosses Laken gespannt, die herabfallenden Früchte mussten nur eingesammelt werden.

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Izumu – ein japanischer Mitbewohner beim Polov essen – netter Kerl aber schnarcht wie eine Wildsau

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Eine Alte…

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… und die jungen „wilden“ aus meiner Strasse

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In Lyabi Hauz – dem Zentrum in der Altstadt von Buchara

Halbwegs passendes Motoröl zu finden war Schwerarbeit, trotz der Hilfe meines Gastgebers dauerte es Stunden, bevor die Arbeit beginnen konnte. Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Märkte (Bazare), an denen schwerpunktmäßig nach Warengruppen gehandelt wird, z.B.einen reinen Werkzeug Bazar, einen für Fenster oder einen Obst- und Gemüse Bazar und eben auch einen Maschina (Auto) Bazar.

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Am Werkzeug-Bazar der Einheimischen

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Einer der vielen überdachten touristischen Bazaare bei Nacht

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Händler in der Mittagshitze beim Schach spielen.

Die Verständigung abseits der touristischen Zonen ist zusätzlich schwierig, die Leute sprechen in Buchara untereinander Tadjik, das ist ein persischer Dialekt (Farsi) – Uzbek wird in der Schule gelernt, Russisch oder Englisch nur an höheren Schulen. Wenn man dann Motoröl mit speziellen Eigenschaften zu einem vernünftigen Preis innerhalb eines überschaubaren Zeitrahmens kaufen möchte, benötigt man einheimische Hilfe. Man muss sich durchfragen, irgendjemand kennt jemanden der vielleicht eines haben könnte, der wiederum kennt einen anderen – so geht das über mehrere Stationen. Zusätzlich ist man als Ausländer Freiwild im Händler-Dschungel, selbst mit Unterstützung meines Führers lag der Preisrahmen zwischen 10 und 40 USD pro Liter.
Die lokale Bevölkerung vor Ort kauft hauptsächlich über solche Märkte oder über fliegende Händler die ins Haus kommen, ein.

Zu meiner Wirtsfamilie kamen zwei mit schweren Taschen bepackte Frauen, die handgenähte Decken verkauften. Billig in ländlichen Gebieten in Tadjikistan eingekauft, werden sie hier an Touristen-Geschäfte und wohlhabendere Privathäuser vertrieben. Die Auswahl erfolgte relativ rasch, mit der Preisverhandlung dauerte es dann insgesamt 2 Stunden. Schlussendlich gingen 3 größere und eine kleinere Decke – insgesamt also ungefähr 12 Monate mühsame Näharbeit von tadjikischen Mädchen und Frauen – für zusammen 30 USD !! über den Ladentisch. An Touristen wird das Stück für 100 bis 150 USD verkauft.

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ypischer orientalischer Handel – wer die schlechteren Nerven besitzt, zahlt drauf

Ein normaler usbekischer Straßen- oder Bauarbeiter verdient zwischen 50 und 70 USD, ein Lehrer an die 150 USD und ein Arzt ungefähr 200 USD. Davon muss die Familie ernährt und die Ausbildung für die Kinder bezahlt werden. Viele Männer versuchen deshalb im Ausland, hauptsächlich in Russland, Arbeit zu finden. Der Erfolg ist oft nur mäßig, deshalb sieht man vornehmlich die daheim gebliebenen Frauen an improvisierten Ständen an der Straße Nüsse, einzelne Zigaretten oder Papiertaschentücher verkaufen, um zumindest die Kinder halbwegs ernähren zu können.

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Eine der vielen Strassenhändlerinnen – wenn die Polizei kommt, muss sie das Feld räumen

 

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