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ch wurde in meiner ersten Nacht in Kazakhstan überfallen und beraubt. Ich hatte unweit der Kleinstadt Turar-Ryskulov abseits der Straße gecampt, als mitten in der Nacht zwei junge Männer in mein Zelt eindrangen, mich mit einem Elektro-Schocker und Fäusten solange attackierten, bis sie 400 USD von mir erhielten. Nachdem ich mich von meinem Geld ungern auf diese Art trenne, hatte dieser Vorfall 30 Minuten gedauert. Da ich bis zum Schluss nicht wusste, ob noch ein dritter Mann – wie mir von den beiden vermittelt wurde – mit einer Waffe vor dem Zelt stand, war an ernsthafte Gegenwehr nicht zu denken.

Im Morgengrauen das Zelt abgebaut, war ich um 6:30 auf der nächsten Polizeistation – die sollte dann auch für die nächsten 2 Tage mein Aufenthaltsort bleiben. Trotz meiner geringen russisch-Kenntnisse konnte ich relativ rasch erklären um was es ging. Die Kriminalbeamten hatten gerade Dienstantritt, nach einer kurzen Befragung gab es sofort einem Verdacht. Um 7:30 war der Erste der beiden Verdächtigen auf der Polizeistation, um 9 Uhr der Zweite. Da ich die beiden als die Männer aus der vergangenen Nacht identifizieren konnte, lagen nach weiteren 3 Stunden die Geständnisse vor und das Geld war gefunden. Die restliche Zeit wurde administriert und protokolliert, wofür mir die ehemalige Englisch-Lehrerin aus dem Ort als Dolmetscherin zur Verfügung gestellt wurde.

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Die beiden Detektive hatten sofort einen Verdacht und nach 2 Stunden war der Fall geklärt.

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Die Polizisten hatten den Fall professionell abgehandelt, waren sehr nett und freundlich zu mir, zum Schluss lief der „Schmäh“ wie bei alten Freunden. Ich wurde während des Aufenthaltes in der Polizei-Kantine verpflegt und auf Staatskosten in einem bewachten Hotel untergebracht. Der Polizeichef der Region hat mir mehrmals mitgeteilt, wie leid es ihm täte, dass gerade bei ihm in Kazakhstan so etwas passieren musste. Diese zwei Tage ergeben ein völlig konträres Bild zu dem des Motorradfahrers, der die Polizei neben den Kühen, Schafen und Eseln als größtes Verkehrshindernis auf den zentralasiatischen Straßen sieht.

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Im Gegensatz zur europäischen Strafgesetzgebung hat man in Kazakhstan als Opfer in so einem Fall das Recht zu bestimmen, ob die Täter vor Gericht müssen oder freigelassen werden.
Bei der abschließenden Gegenüberstellung konnte ich die Burschen befragen, beide 24 Jahre alt, verheiratet und Kinder, ohne Arbeit mit großen Autos.
Die Rücksprache mit dem Polizeichef ergab, dass die beiden nur deshalb so schnell gefasst werden konnten, weil sie bereits für mehrere ähnliche Straftaten im Verdacht standen, es ihnen bis jetzt aber nie nachgewiesen werden konnte. Diesbezüglich fiel mir die Entscheidung leicht, als mein Vertreter vor Gericht wurde ein lokaler Anwalt bestimmt.

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Der Polizeichef von Turar-Ryskulov – C. Kasimbekov

Da bei dem Überfall eine Waffe eingesetzt und ich leicht verletzt wurde, sie mich mit dem Umbringen bedrohten, 2 Täter nach kasakhischem Recht bereits als Bande gelten und 400 USD in Kazakhstan keine geringe Summe ist (2 Monatsgehälter eines Polizisten) sowie Vergehen gegenüber Touristen anscheinend besonders hart bestraft werden, müssen beide mit langjährigen Haftstrafen rechnen.

Rückblickend betrachtet, hatte ich zwei aufregende und anstrengende Tage – ich bekam mein Geld zurück und außerdem einen Freifahrtschein für kazakhische Polizeikontrollen in Form eines Schreibens des Polizeichefs, in dem bestätigt wird, dass ich Opfer und wichtiger Zeuge in einem Verbrechen war, mich deshalb 2 Tage auf der Polizeistation aufhalten musste und auf Grund dieser Verzögerung Probleme mit meinem russischen Visum entstehen könnten. Das hieß für mich, dass Erste mal nach 20.000 Kilometern auf dieser Reise konnte ich ungestört Gas geben – einzig auf Kühe, Schafe und Esel musste ich weiterhin aufpassen.

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Im Süden Kazakhstans mit seinen schier unendlichen Getreidefeldern….

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… und endlosen Geraden.

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Zwischenstation bei der Moschee von Turkestan…

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… ein fester Bestandteil so mancher Hochzeit

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Vorbei an Baikonur…

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… dem russischen Raketenzentrum. Leider war ein Besuch in der Anlage nicht erlaubt.

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Auf dem Weg nach Aralsk gings bei 55 Grad tagelang durch Steppe und Wüste – um die wenigen Wasserlöcher entlang der Strecke versammeln sich wilde Kamele und Pferde.

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Der ehemalige Hafen von Aralsk – einst lag er am Aral-See – heute ist dieser 70 Km entfernt.

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Die Schiffe im ehemaligen Hafenbecken liegen im Trockenen…

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… und sind bezeichnend für eine öde Stadt inmitten der Wüste

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Emanuele und Andrea aus Italien auf dem Weg nach Japan

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Julian aus London möchte mit seinem Fahrrad den Weltrekord für die Weltumrundung brechen, der bei 190 Tagen liegt. In Aralsk lag er mit einem Schnitt von mehr als 160 km pro Tag noch vorne.

Leider ging der aber Wahnsinn mit den bösen Buben und/oder Mädchen weiter. Während meiner 7 Tage Aufenthalt in Kasakhstan wurde ich zusätzlich 3 Mal bestohlen und mindestens 10 Mal wurde versucht, mich über den Tisch zu ziehen.
In Aralsk hatte ich mein Motorrad auf einem bewachten Parkplatz. Der Wachmann hatte in der Nacht Benzin aus meinem Tank gestohlen und leider den Benzinschlauch nicht wieder richtig befestigt. Zusätzlich wurde mir am Tag zuvor mein Reservekanister mit Inhalt gestohlen. Die nächste Etappe waren 300 Km durch die Wüste, auf nicht asphaltierten und schlechten Strassen bzw. gänzlich off-road. Ich hatte erst bemerkt das etwas nicht stimmt, als der Tank leer und mein linker Stiefel bereits voll Benzin gelaufen war – 5 Stunden bei 55 Grad warten, ohne Wasser und einem verätzten Fuss, bis schließlich ein Auto kam und mir Treibstoff für die 50 Km bis zur nächsten Tankstelle geben konnte.021

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Einzig der Zug kommt ohne Probleme voran

Von den 2700 Km durch Kasakhstan gehörten die 1100 km zwischen Aralsk und Arturau zu den schlechtesten und anstrengendsten meiner gesamten Reise. Jeden Tag 15 – 16 Stunden auf dem Motorrad bei 55 Grad Hitze, Sandstürme, 10-12 Liter Wasser trinken ohne zu pinkeln, nach 2 Stunden Fahrt Kopfschmerzen durch das Gerüttel – ohne Schmerzmittel wäre eine Weiterfahrt nicht möglich gewesen. Hinzu kam, dass mein Gepäckträger wieder einmal an 2 Stellen gebrochen und an eine Fahrt in gewohnten Tempo nicht zu denken war.

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Zwischendurch gibt es immer wieder kleine Cafes, an denen man gekühltes Wasser kaufen …

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… oder auch Benzin oder sogar eine heiße Dusche nehmen kann.

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Andrej aus Russland auf dem Weg in die Heimat – er ist bereits über 60 und machte die gleiche Strecke wie ich allerdings mit dem Fahrrad – das muss die absolute Hölle sein.

Als ich schließlich zur kasakhisch-russischen Grenze kam, wollten mich die Zöllner nicht ausreisen lassen, da offensichtlich bei der Einreise vergessen wurden, mir ein wichtiges Zolldokument auszuhändigen. Auf die Frage, was man in so einem Fall machen kann, bekam ich von einem der Beamten die Antwort, dass ich zurückfahren und mir am Grenzübergang der Einreise das Dokument organisieren soll. Darauf hin habe ich den Gaukler so lange auf gut steirisch beschimpft, bis er einen Dolmetscher organisert hatte und der für mich die ganze Angelegenheit via Telefon erledigte.

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Der rechte der beiden ist der Gaukler, der mich allen Ernstes zurückschicken wollte. Nachdem meine Ausreise geklärt war, haben wir uns wieder vertragen.

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