Der Pamir hatte seine Spuren hinterlassen. Kati kroch am Zahnfleisch daher, alle Anbauteile waren ramponiert – Schrauben fehlten, Aufhängungen ware gebrochen, die Koffer glänzten im Knitterlook und hielten aus reiner Solidarität am Motorrad.
Leider hatte auch meine Fotolinse 24-105mm seinen Geist aufgegeben – zoomen ging nicht mehr, einzig Aufnahmen im 24 mm Weitwinkelbereich waren noch möglich. Es war Zeit für umfangreiche Reparaturen und eine Ersatzlinse aus der Heimat.

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Bishkek schien der ideale Ort dafür, zumal ich ja auch die weiteren Visa für Russland und Kazakhstan besorgen musste. Das kazakhische Visum war einfach zu erhalten, mit 30 USD günstig und klebte nach einer Woche im Reisepass. Nicht so einfach war es mit dem russischen – da normalerweise Visa nur mehr im Heimatland des Beantragers ausgestellt werden, dauerte es für mich 17 Tage, regelmäßige Besuche an der Botschaft und eine Reihe guter Argumente, warum die nette Dame hinter dem Schalter für mich die Gesetze brechen sollte.

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In Bishkek hat es um diese Jahreszeit an die 45 Grad mit einer relativ hohen Luftfeuchtigkeit – Möglichkeiten zur Abkühlung gibt es kaum. Die Zeit um die Botschafts-Termine verbrachte ich im Sakura-Guesthouse, einer netten Backpacker-Absteige mit internationalem Publikum. Das zentrale Thema bei den abendlichen Gesprächsrunden war natürlich die für Reisende extrem unangenehme Visa-Problematik in den zentralasiatischen Ländern.

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Gunter und Cäcilia aus München – beide weit über 60 – sind mit ihren Motorrädern über den Iran bis nach Bishkek gereist. Wenn man die Strapazen kennt die damit verbunden sind, ist das eine herausragende Leistung.

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Mark und Robyn aus Australien – beide Lehrer – sind für 2 Jahre auf Tour. Wir hatten gemeinsam eine sehr angenehme und Lustige Zeit in Bishkek.

Die Zeitspannen zwischen den Botschafts-Terminen konnte ich zu mehrtägigen Touren durch das Land nutzen. Die erste führte in den Osten, zum Issyk-kol See und in das Tian-Shan Grenzgebirge zu China.

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Zu beiden Seiten des mehr als 160 km langen und 6000 km² großen Sees strecken sich über 4000m hohe Gebirgszüge.

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Das Wasser ist kristallklar, leicht salzig und im Sommer beliebt zum Baden

Karakol, die von Russen gegründete Bezirkshauptstadt im Osten Kirgistan diente aus Ausgangspunkt für Ausflüge ins Gebirge nach Altyn-Arashyn.

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Valentin, eine sowjetische Moto-Cross Legende. Er dominierte für 12 Jahre als Profi die Sowjetische Beiwagen-Moto-Cross Szene, lebt jetzt in Karakol und betreibt in Altyn-Arashyn ein Sommer-Camp. Er riet mir Kati im Stall zu lassen und mit dem Jeep oder zu Fuß zum Camp aufzusteigen, weil die meisten bei der Auffahrt bisher gescheitert waren. Wie immer bei solchen Ratschlägen, schalten meine Ohren automatisch auf Durchzug.

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Die Auffahrt war bei Regen sicherlich eine der technisch anspruchvolleren Passagen meiner bisherigen Reise, jedoch im Grunde kein besonderes Problem. Einzig meine Seitenkoffer hatten mir wieder einmal ihre Liebe aufgekündigt und sich trotz vorheriger Reparatur vorzeitig verabschiedet.

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Die Gegend ist zwar schön, sieht aber aus wie in den österreichischen oder schweizer Alpen. Der Fluss entspringt aus einem Gletscher und war entsprechend kalt. Die Durchquerung hatte ich schließlich abgeblasen.

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Valentin ist noch immer ein gefragter Interview-Partner – hier mit dem koreanischen Fernsehen.

Nach einem abermaligen Zwischenstopp in Bishkek gings rauf nach Kochgor und dem Song-köl See. Einer über 3000m hoch gelegenen Sommerweide mit unzähligen Yurtencamps. Diese Gegend war bisher die Verrückteste im Bezug auf das Wetter, die ich in meinem Leben gesehen hatte. Tagelang im Stundentakt wechselnde Bedingungen zwischen Sonnenschein, Regen, Hagel- und Schnee stürmen.

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Die See-Umrundung mit Kati war naheliegend, aber selbst voll Übermut schafft man es nicht durch den Sumpf. Hochmotiviert bin ich dahingebrettert, bis einfach nichts mehr ging. Nach 3 Stunden und trotz Minus-Graden schweißgebadet konnte ich Kati befreien – das 200 Kg schwere, bis zu den Naben im Morast versunkene Motorrad mehr als 10 Mal herauszuheben bedeutete körperliche und geistige Höchstleistung. Ohne meine indisch-nepalesischen Meditationserfahrungen würd sie heute noch dort picken und ich wäre zu Fuß nach Hause gegangen.

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Motorrad-Reisen einmal anders – diese ukrainisch-kazakhische Gruppe mit ihren russischen Ural-Seitenwagenmotorrädern auf dem Weg zum Song-Köl über den 3300m hohen Kalmak-Aschu-Pass. Sie nahmen es eher locker, das wichtigste Reiseutensil war der Flachmann gefüllt mit Vodka.

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Wie schon vorher erwähnt, der Pamir hatte seine Spuren hinterlassen – auch bei mir. Wenn man sich auf so einer Reise durch mehrere Länder befindet, möchte man in jedem Land eine Steigerung der Eindrücke oder zumindest neue, andere Erlebnisse erfahren. Mein Aufenthalt in Kirgistan hat mir gezeigt, das daß auf dieser Reise für mich anscheinend nicht mehr möglich war. Nach den Erlebnissen in Tajikistan schien keine Neuerung oder Verbesserung mehr möglich – die nachfolgenden Eindrücke waren im Vergleich dazu Grau und Mau. Verstärkt durch die ständigen Probleme mit den Visaanträgen, traf ich den Entschluss meine Reise nicht bis in die Mongolei fortzusetzen, sondern durch Kasachstan und Russland die Heimfahrt anzutreten.
Die Mongolei ist es Wert, nach dem nötigen Abstand voll motiviert bereist zu werden – das wird auch auf einer der nächsten Touren geschehen.

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Die Abfahrt von Bishkek in Richtung Heimat.

 

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