In Khorog konnte ich erstmals die notwendigsten Reperaturen am Motorrad durchfuhren – Improvisation war angesagt, weil Ersatzteile oder Werkzeug sind Mangelware. Fur die Organisation eines Schweissapparates benötigt man trotz einheimischer Hilfe mindestens 2 Stunden, die Beschaffung einer gebrauchten, aus einem Schrottteil ausgebauten Schraube dauert mindestens ebenso lang – Neuteile gibt’s selbstverständlich nicht.
Diese Situation ist bezeichnend fur die Pamirs, egal ob es sich um die einfachen Dinge des Lebens wie Strom, Telefon, Internet, Obst und Gemuse oder Ersatzteile handelt – man bekommt es einfach nicht. Man bekommt nur das, was unmittelbar vor Ort wächst und gedeiht – d.h. verschiedene Milchprodukte und Brot, Fleisch, vielleicht manchmal auch Kartoffeln.
Die Benzinversorgung ist uber hunderte Kilometer nicht gesichert, man muss sich von Ort zu Ort und Haus zu Haus durchfragen. Nachdem ich vom Pamir Highway auf Nebenrouten und ins freie Gelande abweiche benцtigte ich Zusatztanks. Nachdem richtige Benzinkanister auch in Dushanbe nicht zu bekommen waren, behalf ich mir in diesem Fall mit mehreren gebrauchten Ölkanistern.

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Der erste Weg fuhrte in den Suden, weiter entlang der afghanischen Grenze bis zum Wakhan-Valley und den Hindukusch. Wie uberall bisher in den Pamirs wird man als Motorradfahrer von den Hunden gejagt und den Menschen bejubelt. Die Freundlichkeit hier ist legendar, Kinder, Jugendliche, Manner und sogar altere Frauen laufen zur Strasse wenn sie einen hören, strahlen uber das ganze Gesicht und jubeln einem zu.

Entlang des Panj windet sich an der afghanischen Seite des Flusses uber hunderte Kilometer ein Eselspfad der nicht befahrbar ist. Nach dem die Berge im Rucken unuberwindbar sind, erfolgt die gesamte Versorgung der Dörfer uber diesen schmalen Weg. Zusatzlich gibt es wцchentlich gemeinsame afghanisch-tajikische Markte in Kahle-i-kum, Khorog und Ishkashim.

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Eines der vielen afghanischen Dorfer auf einer Ausbuchtung im Fluss

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Auf der linken Seite ist die tajikische Strasse, auf der rechten Seite der afghanische Eselspfad

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Ein erster Blick auf den Hindukusch

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Ein Auto voller Groupies auf dem Weg zum afghanischen Markt nach Suden – ich wurde aufgehalten weil der „General“ ein Foto mit mir machen wollte – ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung wer das war und liess fotografieren. Tage spater, als ich das Foto einigen Tajiken gezeigt hatte, sind sie beim Anblick in Ehrfurcht erstarrt. Der Mann der hinter mir im Auto sitzt, ist Yumit, er war der Anfuhrer der Pamiri-Truppen im Burgerkrieg. Seit einer Schussverletzung sitzt er im Rollstuhl. Heute ist er der Kopf der tajikischen Mafia und kontrolliert den Drogentransport durch den Pamir.

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Um den Markt in Ishkashim zu besuchen, muss man Tajikstan verlassen und auf die andere Seite – dies ist ohne Visum moglich, man gibt einfach seinen Pass ab und bei der Ruckkehr bekommt man ihn wieder ausgehandigt.

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Über diese „Friedensbrücke“ gelangt man nach Afghanistan.

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Afghanische Soldaten am Markt – sie sind sehr aufmerksam, beobachten mich standig und lassen sich selbst nicht fotografieren. Diese fotoscheu ist verstandlich wenn man sieht, wie sowohl afghanische als auch tajikische Offiziere mit „Geschaftsmannern“ beim Essen am Markt verhandeln. Deshalb verwundert es auch nicht, dass afghanische Bauern reihenweise unkontrolliert 50 Kg – Sacke mit „Mehl“ auf den Markt bringen und tajikische Einkaufer diese wiederum unkontrolliert einfach uber die Grenze tragen.
Man konnte wahrscheinlich auf einen Schlag den Drogenschmuggel nach Europa halbieren, wurde man an diesen Markten ernsthaft kontrollieren.
Sowohl die Offiziere als auch die „Mehl“-Einkaufer zu fotografieren ware, da ich mich weiterhin in Tajikistan aufhalten mochte, zu gefahrlich.

Ab Ishkashim biegt der Panj Richtung Osten – nun fahrt man zwischen dem Hindukusch auf afghanisch/pakistanischer Seite und der Shakhdarga Range Richtung Wakhan-Valley. Asphaltierte Strassen gibt es langst keine mehr, die „Wellblech“-Piste ist gut befahrbar und wechselt standig zwischen tiefen Schotter- und Sandgruben. Die Ruttelstrecke verlangt eine Mindestgeschwindigkeit von mindestens 80 Km/h, um halbwegs ohne Gehirnerschutterung durchzukommen. Da ich auf Grund bodennaher Sandverwehungen die Strasse nicht sehen konnte, bin ich kurz vor Langar blind mit 100 Km/h in eine Sandgrube hineingeraten, worauf es mich anstandig zerbroselt hatte. Einer meiner Alukoffer glich dannach einer zerquetschten Cola-Dose – Kati, die Foto-Ausrustung, der Computer und ich sind auf Grund des weichen Untergrundes ohne Schrammen davongekommen.

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Nach einer kurzen Wanderung uber Langar hat man einen herrlichen Ausblick auf die Stelle, wo sich der Hindukusch und die Wakhan Range teilen. Gleichzeitig fliessen hier der Pamir- und Wakhan River zusammen und bilden ab der Stelle den Panj.

Will man von hier weiter in den Ost-Pamir muss man uber den Khargush-Pass mit 4350m um vom Suden her wieder auf den Pamir Highway zu sto?en. Mit der uberschreitung des Passes verandert sich die Landschaft und Klima – an Stelle enger und hoher Schluchten zeigen sich nun weite Hochebenen auf einer durchschnittlichen Seehohe von 4000m, die Temperaturen fallen Nachts regelma?ig unter Null Grad und es schneit taglich. Furs Motorrad fahren heissts nun wieder die Thermo-Wasche auspacken.

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Ein letzter Blick auf den Hindukusch

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Einer der vielen Militar-Checkposten im Grenzgebiet – die ersten Soldaten die sich fotografieren lassen. Der Hund schaut hier so scheinheilig – aber der Koter hat mir zuvor an den Vorderreifen gepinkelt.

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Direkt am Pass ist ein kleiner See, da traf ich ein Schweizer und ein Franzosisches Pärchen die dort campierten. Die Franzosen waren in den umliegenden Bergen mit ihren Schiern unterwegs.

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Wenn man vom Pass aus ca. 2h hinauf auf den Hauslbeck-Viewpoint auf ca. 4900 m klettert, hat man einen herrlichen Ausblick auf die Wakhan-Range und den Zor-Kul.

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Ein erster Blick auf die Hochebene am Pamir Highway vor Alichur

Bulunkul ist der kalteste Ort im Pamir – hier wurden an der Wetterstation im heurigen Winter uber eine Woche lang minus 60 Grad gemessen. Selbst jetzt Mitte Juni hat es hier mindestens -5 bis -10 Grad in der Nacht.

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Der Blick auf Bulunkul uber den Bulunkul-See

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Ein typisches Badezimmer vor der Eingangstur – das mit dem Duschen uberlegt man sich bei diesen Temperaturen im Freien mindestens zwei Mal.

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Etwas Abwechslung in den Speiseplan bringt das Forellen fischen mit dem Netz. Innerhalb einer Stunde waren 22 Stuck im blauen Kubel. Mein tajikischer Fischerei-Kollege war eindeutig geschickter als ich. Mein Fang war eine einzige kleine Bachforelle, beim Essen war ich dann der „Weltmeister“ – eine willkommene Abwechslung nach Tagen mit ausschliesslich Milch und Brot.

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Das Fangen der Forellen ist Mannersache, das Fisch putzen und kochen ubernehmen die Frauen.
Beim Essen wird’s dann ein bisserl unfair – wahrend die Manner wiederum am Tisch sitzen und die Fische verzehren, begnugen sich die Frauen getrennt im Hintergrund mit Brot und Shir-cay – d.h. gesalzener Milchtee mit Butter.

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Gekocht wird ebenso wie geheizt mit getrocknetem Yak-Dung.

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Fischer am Lake Bulunkul

In der Nahe von Bulunkul liegt der Yashil-Kul, der grune See – er gilt als einer der schonsten im Pamir. Die Fahrt dorthin erfolgt wie meist in dieser Gegend Off-Road – das Nordufer war leider nicht zu erreiche, da der aktuelle Wasserstand im Fluss 70 cm uberstieg.

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Der Weg nach Murghab, dem Hauptort im West-Pamir erfolgt wieder uber den Pamir Highway. Fahrzeuge sieht man auch nach stundenlanger Fahrt kaum – einzig chinesische Schwerlaster mit ihren Billigprodukten fur den zentralasiatischen Markt – die moderne Seidenstrasse in den Westen.

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Glucklicherweise konnte ich unterwegs in Alichur in einem Privathaus etwas Benzin auftreiben. Der Tankwart und sein Sohn sind Kirgisen, wie ubrigens 80% der Bewohner des ostlichen Pamirs.

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Nach uberquerung des Neizatash-Passes bei Schnee und Minus-Temperaturen offnet sich die Ebene kurz vor Murghab.

1 Comment

  1. Lawerence
    20. September 2016

    really beautiful images!

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