Die Genehmigung für den Pamir war vorhanden, die Registrierung bei der Polizei erfolgt, das tajikische Visum wurde für 2 Wochen verlängert und die Einreisebewilligung für Kirgistan erteilt.
Die Anreise von Dushanbe in die Pamirs erfolgt normalerweise über zwei Routen – die 100 Kilometer kürzere über den Norden war leider wegen einer Militäroperation gesperrt, verschiedene Gerüchte sprachen von Kämpfen mit Taliban-Terroristen die sich in dieser Region aufhalten sollen. Also bleibt nichts anderes übrig als den längeren Weg über den Süden zu wählen.

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Kurz vor Kulob traf ich wieder auf Helga und Karsten aus Erlangen, wir beschlossen gemeinsam zu campen bevor es runter in das Panj-Tal an die afqhanische Grenze ging.

 

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Der Panj wird von den Gletschern und Bächen des Pamir-Gebirges gespeist und bildet auf seinem Weg vom Süden hierher über mehrere hundert Kilometer die Grenze zwischen Tajikistan und Afghanistan. Weiter westlich vereinigt er sich mit dem aus Dushanbe kommenden Vakhsh zum Armu-Darya (ehemalig Oxus) und fließt bis in den Aral-See.

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Der erste Blick auf den Panj und die Berge Afghanistans.

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Am gegenüberliegenden Ufer liegen einen Steinwurf entfernt afghanische Dörfer, die über mehrere hundert Kilometer ohne Straße nur über einen Eselspfad miteinander verbunden sind.

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Das tadjikische Ufer ist durchgehend vermint – hier sollte man die Straße zum Fluss hin nicht verlassen.
Die Überwachung der ca. 2000 km langen Grenze verschlingt 40% des tajikischen Staatshaushaltes, trotzdem ist Tajikistan das bevorzugte Transitland für den Schmuggel von Opium und Heroin aus Afghanistan nach Russland und Europa.

Die Strecke am Ufer des Panj bis kurz vor Kahlei-Khum wird nur von Allradfahrzeugen befahren – enge Schluchten und reißende Flüssen sind zu passieren, Schlammlöcher und Geröllhalden zu durchqueren, Wasserfälle und Sandpassagen zu bewältigen.

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Wenns unten herum halbwegs trocken ist, dann kommts halt von oben…

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Kurz nach dem schlechten Teilstück von 100 Kilometern traf ich Vincent aus Frankreich, der mit seiner alten BMW inklusive dem in Kasachstan angefertigen Beiwagen in die Gegenrichtung auf dem Weg nach Afghanistan, Pakistan bis nach Indien unterwegs war. Der erste Motorradfahrer seit Tiflis / Georgien. Nach einem Gespräch waren wir beide der Meinung, dass er die Flüsse und Schlammlöcher mit seinem Straßenmotorrad und der falschen Bereifung unmöglich schaffen konnte. Trotzdem musste er es versuchen, denn er hatte nur noch 36 Stunden Zeit um das Land zu verlassen. Vielleicht fand er einen LKW, der ihn über die schlechten Passagen huckepack nehmen konnte. Ich wünsche ihm für sein Vorhaben viel Glück – selbst wenn er es hier geschafft hatte – an der Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan wird er es auf alle Fälle benötigen.

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Irgendwann wird die Straße ihrem Namen wieder gerecht und halbwegs befahrbar – das war auch der Zeitpunkt, ab dem ich nach und nach auf Radfahrer aus unterschiedlichen Nationen getroffen bin. Alle hatten das gleiche Ziel – die Überwindung des Pamir-Highways bis nach Kirgistan. Von dort gings dann weiter in in die verschiedensten Richtungen.

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Die beiden Wiener Kathi und Sandro hatte ich bereits zuvor am Iskander-Kul kurz getroffen – sie sind auf dem Weg über China, Süd-Ostasien bis nach Singapur und werden dafür voraussichtlich 14 Monate benötigen.

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Das Ziel von Herb und Leisha aus Holland ist Australien – Herb war bereits einmal auf großer Tour mit dem Fahrrad – 6 Jahre für eine Weltumrundung – jeden Kontinent rauf und runter.

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Greg aus Kanada ist alleine unterwegs und hat mit 6 Wochen zwar weniger Zeit – seine Ambtionen sind aber um nichts geringer – von Dushanbe durch den Pamir bis nach Kirgistan, von dort weiter durch die Wüste Taklamakan bis nach Urumchi in China.

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Aitor und Inigo aus dem Baskenland sind in Kairo gestartet und hoffen nach einem Jahr in Bangkok zu sein. Sie führen ebenfalls einen Fotoblog unter folgender Adresse:

http://www.cyclotherapy.blogspot.com

Mein erster Zwischenstopp war am Eingang des Vanj-Tales mit der Zielsetzung, die 100 Kilometer bis an dessen Ende zum Fedchenko-Gletscher, am Fuß des höchsten Berges Tajikistans, dem Ismoil Somoni Peak mit knapp 7.500 m hochzufahren. Es war eine echte Hard-Enduro-Passage – an die 10 Flussdurchfahrten und Steilhänge waren bereits Standard, aber kilometerlange Offroad-Passagen und an die 30 Kilometer im Flußbett – davon vielleicht 5 Kilometer im Wasser waren mal was Neues. Auf dieser De-Tour hätte meine Reise bereits sein Ende finden können – nachdem ich mir bei dem Versuch einen Wildbach zu überqueren den linken Alu-Koffer ausgerissen hatte wollte ich umkehren und bin bei der Querung eines Abhanges mit der anderen Seite an einem Felsen hängen geblieben – der Sturz war halb so tragisch, aber der Pfad schmäler als das Motorrad breit – glücklicherweise ist Kati irgendwie im Abhang liegend an einem Felsen verhakt. Wäre sie die 50 Meter in das Flussbett abgerutscht, hätte ich sie von dort nie im Ganzen bergen können – einzige Möglichkeit wäre wohl gewesen, sie vor Ort in ihre Einzelteile zu zerlegen und Stück für Stück wieder herauf zu tragen – ob das wegen dem eiskalten Wasser aber möglich gewesen wäre, ist fraglich.

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Hier gings nicht mehr weiter

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Kinder entlang der Strecke

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Diese Passage war leider für mich alleine unüberwindbar

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Behelfsmäßig hatte ich den Koffer am Träger befestigt.

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Mit Hilfe der 3 jungen Männer konnte ich diese kritische Stelle doch noch passieren.

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Der Blick zurück…

 

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… und auf die letzten 10 Kilometer vor dem Gletscher, die ich nach den Schneefeldern nicht mehr in Angriff genommen hatte.

Die zweite Tour führte mich entlang des Batang-Tales in Richtung Lake Sarez. Sarez ist ein riesiger Staudamm, der nur mit einer speziellen Genehmigung besucht werden darf. Normalerweise geht es auch ohne mit etwas Bakhshish – leider hatte ich Pech, da zur gleichen Zeit Zivilschutzübungen abgehalten wurden bei denen die Offiziellen aus Dushanbe anwesend waren – nix wars mit dem Zutritt.

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Auf halben Weg zum See liegt Basid – eine grüne Insel inmitten der felsigen Schluchten. Von Basid aus kann man 7 Kilometer ein Seitental hinauf wandern, wo man schließlich zu einem Hirtendorf – Devlokh – gelangt.

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Um zum Panoramablick zu gelangen, musste ich über diese schwingende Brücke gehen – Anwar der mich begleitete erzählte mir, bei Hochwasser müssen die Leute auf allen Vieren rüber robben.

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Der Weg hinauf nach Devlokh

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Der junge Mann trägt mal schnell 2 Baumstämme ins Tal…

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Ein typisches Pamiri-Haus

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Die Schule von Devlokh – eine Tafel und 3 Stühle…

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Die Brücken werden immer kleiner und wackeliger, bei meinem Gewicht hatte ich ernste Bedenken, ob sie mich auch rüberläßt…

Eine Kilometer über Devlokh lebt Gundushar, eine Hirtin, für 6 Monate pro Jahr in einer Höhle. Sie bekommt für jedes Schaf 2 Somoni pro Monat – macht nach 6 Monaten einen Gesamtverdienst von ca. 25 Euro. Das Essen – Schafsmilch und Brot ist frei.

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Die Höhle der Schäferin..

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… hier wohnt und schläft sie von Mai bis September…

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… aber wie jeder in Tajikistan ist sie besonders gastfreundlich – ihr selbstgemachter Kefir war ausgezeichnet…

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… und trotz ihres kargen Lebens scheint sie nicht unglücklich alleine in der Wildnis, die Unterhaltung war sehr entspannt und lustig.

Jetzt folgen zwei oder drei Tage Erhohlungs- und Reperaturpause in Khorog, der Hauptstadt des Pamirs.
Auf dem Weg dorthin, habe ich aus einem afghanischen Tal Hubschrauber und Detonationen gehört – klang so, als hätte ich einen Luftschlag mitbekommen – Gänsehautfaktor = 100%

Nach meinem Ausflug in Vanj ist Kati doch mehr mitgenommen, diesmal dauerts ein bisserl länger.
Das war wahrscheinlich auch die letzte Gelegenheit für 2 oder 3 Wochen, nochmals eine Internetverbindung zu erhalten.
Meine nächste Station ist der Süden, der Wakhan-Korridor, mit einem kurzen Abstecher über die Grenze und ab dann geht’s bergauf, auf über 4000m in die Kälte und die Einsamkeit.
Ich freu mich schon richtig darauf.
Wünsche euch eine gute Zeit bis zum nächsten Mal.

LG Heinz

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