Der Grenzübergang nach Tajikistan war bis jetzt der leichteste in den Stan’s. Sowohl die Ausreise aus Usbekistan als auch die Einreise verliefen ohne Probleme. Die tajikischen Beamten waren sehr freundlich, zuvorkommend und unkompliziert. Für das Motorrad musste ich gegen Beleg 10 USD bezahlen, für uns beide ohne Beleg und nach zähen Verhandlungen 1 USD Bakhsish. Der offizielle Grund war Desinfektion von Mann und Motorrad – die wir aber glücklicherweise nicht über uns ergehen lassen mussten.

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Nach 2 Tagen in Kohjand, der Hauptstadt des Nordens war die Weiterreise nach Dushanbe die erste wahre Herausforderung. Für eine Strecke von 340 Kilometern waren 10 Stunden veranschlagt, geworden sind es schließlich 12. Kurze Streckenabschnitte auf dem Weg nach Süden waren neu asphaltiert, ansonsten sind die Straßen wirklich schlecht in Tajikistan. Schlaglöcher, Steine und vereinzelte Reste vom ehemaligen Straßenbelag machen zügiges vorankommen unmöglich. Es waren 2 Pässe mit über 3300 m zu überqueren, einer war verschüttet und wurde gerade vom Schnee freigebaggert, Felsstürze, Schlammlawinen, ein knapp 6 Kilometer langer unbeleuchteter Tunnel mit bis zu 60 cm tiefen Wasserlöchern lassen das Enduro-Herz höher schlagen. Dabei sei diese Straße die Beste in ganz Tajikistan, wurde mir von verschiedenen Personen berichtet.

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Bier wird hier mit kleinen getrockneten Kugeln aus Käse oder Joghurt serviert – die Kombination schmeckt hervorragend. Offenes Bier sollte man allerdings vermeiden – ich hatte bisher zwei mal auf dieser Reise ein gezapftes Krügerl mit anschliessendem Brech-Durchfall.

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Spartak Kohjand gegen Pamiri Dushanbe – der Zweite der obersten tajikischen Spielklasse gegen den Ersten. Das Spiel war schwach, vergleichbar mit Österr. Landesliga – der Einheitspreis von 30 Cent pro Person war dem Niveau angepasst. Vielleicht 3000 Leute waren im Stadion bei mäßiger Stimmung – nach dem Halbzeitstand von 0:0 hatte ich genug

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Richtung Süden im Fergana-Tal fährt man entlang der Kirgisischen Berge

Bei der Auffahrt zum Shakhristan-Pass musste ich an einem Polizei-Checkposten halten, der Polizist prophezeite mir, mit dem Motorrad würde man um diese Jahreszeit nie auf die andere Seite kommen. Dieser Pass war Teil der südlichen Seidenstrasse die von Samarkand über Kohjand nach Osh führt und wurde bereits vor Jahrtausenden von Karawanen überquert – also schaffts meine Kati locker.

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Wenn man nicht aufpasst, geht’s in die falsche Richtung runter….

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Nach dem passieren des von Ost nach West verlaufenden Zarafshan Tales fährt man durch die steilen Schluchten des Yangob zum Anzob Pass hoch. In diesem Tal befinden sich die letzten sogdischen Siedlungen. Nachdem die Sogden 722 von den Arabern vernichtend geschlagen und aus Samarkand sowie dem Zarafshan-Tal hierher vertrieben wurden, erhielt sich über die Jahrhunderte eine kulturelle Oase. Ungefähr 3000 Menschen in Tajikistan sprechen noch die Sprache aus den Zeiten Alexander des Großen. Viele der Dörfer sind aber verlassen, da die Sowjets bis in die 70iger Jahre systematische Umsiedlung der Bewohner in das nahe Fergana-Tal betrieben.

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Die Menschen sind wie überall in Tajikistan extrem freundlich und luden mich in einem kleinen Dorf abseits der Passstraße sofort zum Tee ein. Eine Einladung zum Tee bedeutet, dass aufgetischt wird was im Haus ist, lauter selbstgemachte Speisen, die im ersten Augenblick etwas eigenartig aussehen, aber doch hervorragend schmecken.

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Dushanbe gilt als die lieblichste Hauptstadt Zentralasiens und wenn man so durch die Strassen wandert, dann besitzt sie diesen Ruf wohl zurecht. Breite Straßen, Alleen, viel Licht und Farbe vermitteln die Freundlichkeit und den Charme einer mondänen Stadt, die starke Polizeipräsenz Sicherheit. Umgeben von den schneebedeckten Bergen der Hissar-Range im Norden und den Ausläufern des Pamirs im Süd-Osten, sorgt das kontinentale Klima für extrem heiße Sommer, meist Sonnenschein und klaren, blauen Himmel. Die Stadt ist mit 600.000 Einwohnern übersichtlich, das öffentliche Verkehrsnetz hervorragend. Trotz dieser offensichtlichen Idylle muss man aufpassen, ich hatte in einem Bus einen Taschendieb in meiner Hosentasche erwischt. Ohne Probleme konnte ich den Mann bei der nächsten Station ohne mein Geld auf die Straße setzen.
Der Schein trügt, die Sicherheit seit Ende des Bürgerkrieges sei vordergründig und oberflächlich, klärte mich ein Fahrgast auf. Der Präsident herrscht mit eiserner Faust, die Opposition wird unterdrückt, Pressefreiheit und Demokratie gibt es keine. Die Polizei sei korrupt und arbeite mit der russischen Mafia und eben solchen Dieben zusammen, ungeklärte Raubüberfälle und Diebstähle seien an der Tagesordnung – es heißt aufpassen in Dushanbe.

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Die Oper …

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… und das Haus der Literatur

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Abends ist immer viel buntes Licht im Spiel…

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Die Rezeptionistin meines Hotels ist sicherlich ein Foto wert.

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Bevor es wieder zurück in den Norden in die Berge geht, mussten noch die Reifen gewechselt werden.

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