Die Weiterreise von Mandalay in den Ort Nyaung Shwe am Inle See erfolgte über eine Bergroute in einem überfüllten Kleinbus und hat mich in vielen Belangen an vorherige Erlebnisse bei ähnlichen Reisen durch die Anden in Südamerika oder den Himalaya in Indien und Nepal erinnert.  Über ausgesetzte, schlechte Passstraßen stundenlang in Serpentinen die Berge rauf und runter. In Kombination mit alten Fahrzeugen und übermüdeten, vielleicht betrunkenen oder unter Drogen stehenden Fahrern sorgt eine solche Fahrt für dauerhafte Anspannung und Nervenkitzel. Trotz Zig-Tausender Kilometer als Beifahrer bei allen Wetterbedingungen durchs Hochgebirge,  im Inneren oder auf dem Dach sitzend, also mit der Erfahrung weitaus schlimmerer Gegebenheiten und der Gewissheit, dass der Fahrer den Bus und die Strecke kennt, er ebenso wie seine Fahrgäste am Abend zu seiner Familie nach Hause möchte, ist die nervliche Belastung jedes Mal aufs Neue groß. Die vielen in Schluchten gestürzte Fahrzeuge die man bereits gesehen hat, vergisst man in der Regel wieder, sobald das Ziel erreicht ist und man Heil den Bus verlässt. Bei der nächsten Fahrt kommen dann aber all diese Bilder wieder hoch, man vergisst sie nicht wirklich, man blendet sie nur aus. Das ist dann jedesmal der Punkt, an dem ich mir Gewiss bin, nicht mehr in solche Bussen einzusteigen. Bis zur nächsten Fahrt.

Mein Pläne für die Zeit nach Myanmar sehen Indien vor. Dort möchte ich mir wieder ein Motorrad kaufen und eines der Ziele werden die Berge sein. Ich war bereits viele Male dort und bin auch schon mehrere Monate mit dem eigenen Motorrad in Indien unterwegs gewesen. Die Kombination aus schlechten Straßen, unüberschaubarem Verkehrsaufkommen und rücksichtslosem Fahrstil ist mir bekannt und machen Indien für mich zum gefährlichsten Land weltweit für Motorradfahrer. Diese Fahrt mit dem Bus durch die Berge hat mich in diesem Vorhaben bestärkt. Wenn man in so einem Bus durch die Berge auf Gedeih und Verderb einem Fremden Busfahrer ausgeliefert ist, erscheint das was in Indien mit dem Motorrad auf mich zukommen wird wie ein Kuraufenthalt.

Der Inle See ist der zweitgrößte Süßwassersee in Myanmar und ist vor allem durch seine Einbein Ruderer, die schwimmenden Gärten und Dörfer ein beliebtes touristisches Ziel. Er hat eine Fläche von ca. 12.000 Hektar und dient den Menschen in den Dörfern und Siedlungen als Lebensgrundlage.

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Um den See und seine Dörfer zu erkunden, muss man sich eines dieser Langboote mit Motor mieten, eine andere Möglichkeit zu den Sehenswürdigkeiten gibt es nicht. In meiner Unterkunft in Nyaung Shwe war zur gleichen Zeit ein junger Holländer, der ebenfalls am gleichen Tag raus wollte. Also war es nahe liegend gemeinsam ein Boot für 12 Stunden zu mieten und die Kosten zu teilen.

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Kurz nachdem man aus dem Kanal auf den offenen See kommt, sieht man die ersten Fischer, die mit ihrer Einbein Rudertechnik weltweit bekannt sind und in jedem Reisebericht über Myanmar abgebildet werden. Diese beiden Herren waren am frühen Morgen allerdings nicht zum Fischen auf dem See, sondern um für Touristen zu posieren und dafür Trinkgeld einzustecken.

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Der See ist der Lebensmittelpunkt für die Menschen in den Dörfern, jeder ist mit dem Boot unterwegs und die täglich Arbeit findet im oder am Wasser statt. Es wird gefischt, Seegras geerntet oder die Bauern befinden sich auf ihren schwimmenden Gärten. Dabei handelt es sich um riesige Beete als Hydrokulturen, die auf der Oberfläche treiben und für frisches Gemüse sorgen. Die Basis der Felder ist eine feste, fruchtbare Masse aus Sumpf, Erde und Wasserhyazinthen, die mit Bambuspflöcken fest im Seeboden verankert sind. Wenn man darauf steht, sinken sie etwas ein, wackel wie wild und man steht bis zu den Knöcheln im Wasser.

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Über weitverzweigte Kanalsysteme gelangt man in verschiedene Dörfer, Klöster oder Tempelanlagen. Die meisten Häuser sind Pfahlbauten im See, oder es lässt sich zumindest jedes Haus mit dem Boot erreichen.

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Auf dem Weg zu einem Wochenmarkt fährt man über kleine Staustufen einen Kanal entlang und überwindet damit etwas an Höhe in Richtung Ufer. An einem Klöster konnten wir junge Mönche beobachten, wie sie im Kanal spielten und sich wuschen.

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Dieser Wochenmarkt ist eigentlich für die lokale Bevölkerung gedacht, aber nachdem es immer mehr Touristen in dieser Region gibt, ist das Angebot mit Ramsch und Kitsch für zahlungskräftige Kundschaft aus dem Ausland ergänzt.

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Auch hier am Inle-See findet man Ruinen historischer Tempelanlagen, die einen Besuch Wert sind. Nachdem es sich dabei um einen touristischen Hotspot handelt, trifft man dort auf eine Vielzahl von Gruppen, die von Guides in verschiedenen Sprachen herumgeführt werden.

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Auch das Leben in den Dörfern ist auf den Tourismus ausgerichtet. Es gibt eine Reihe von Handwerkern, die in ihren Schaubetrieben Reiseandenken verkaufen. Ob es sich um Schmiede, Zigarrendreher, Weber, Schneider, Bootsbauer oder sonstige Handwerkszünfte handelt, unser Bootsmann kannte sie alle und ist einen nach dem anderen abgeklappert. Normalerweise bekommen die Bootsführer Provision wenn etwas verkauft wird, mit uns hat er diesbezüglich kein Glück gehabt, weil wir beide das Einkaufen verweigerten.

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Die berühmteste Pagode am See ist die Phaung Daw U Pagode – ein Wallfahrtsort für die Gläubigen aus ganz Myanmar. Am Bekanntesten sind die fünf Buddhas, kleine Figuren die von den Menschen ständig mit Blattgold überzogen werden.

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Am späten Nachmittag ging es wieder zurück in Richtung Heimathafen. Auf dem Weg dort hin wurden wir vom Bootsmann in eine kleine Siedlung in das Haus seines Bruders eingeladen. Die Frauen haben riesige Reisfladen zubereitet. Der Bruder war ein geselliger Kerl, mit einer selbst gedrehten Zigarre und selbst gebranntem Schnaps war das ein würdiger Abschluss nach einem langen Tag.

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Mit dem Sonnenuntergang war es dann aber an der Zeit, endgültig zurück zu fahren. Der Schnaps war stark und obwohl ich nur ein paar Schluck getrunken hatte, war mein Gleichgewicht auf der Heimfahrt im Boot nachhaltig gestört. Auch wenn die Gastfreundschaft herzlich ist, sollte man von selbst gebranntem Alkohol nie zuviel konsumieren. Es kommt immer wieder zu Vergiftungen, bei denen Todesopfer zu beklagen sind. Noch einmal kurz bei den Fischern vom Morgen vorbei und nach einer weiteren halben Stunde waren wir in Nyaung Shwe zurück.

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LG Heinz

 

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