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Der Aufstieg zum Goecha La Pass hat für mich eine vielseitige Bedeutung – zum Einen das Naturerlebnis inmitten der Berglandschaft, sozusagen Urlaub vor dem großen Run. Oder den östlichsten der 8.000er (Kandzenchunga – 8.586m) aus dem Osten zu betrachten und eine ideale Vorbereitung auf kommende Herausforderungen zu absolvieren. Auf jeden Fall gibt es aber noch eine offene Rechnung zu begleichen: Der erste Versuch vor 5 Jahren war an der Ignoranz des damaligen Guides gescheitert, der schlicht zu faul war und mit fadenscheinigen Ausreden die Gruppe nur bis zu etwa der Hälfte der Strecke nach Dzongri geführt hatte.

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Der Goecha La Trek ist das touristische Trekking-Highlight Sikkims und für indische Verhältnisse hervorragend organisiert. Er führt von Yuksom aus durch den Kandchenjunga Nationalpark bis an den Fuße desselben, man benötigt eine Genehmigung und er darf von Ausländern nicht ohne Begleitung eines einheimischen Führers betreten werden. Die zweite Hälfte der Strecke zum Goecha La Pass auf 4900m ist frei von Infrastruktur – das bedeutet Selbstversorgung und ist deshalb mit all den Services – den Bergführern, den Trägern und den Yak-Karawanen – die wirtschaftliche Lebensader West-Sikkims.

Sportlich die Erste Herausforderung
Acht Tage wandern waren es jetzt erst einmal, wobei für diesen Trek 6 Tage auch reichen würden. Vorausgesetzt man ist ausreichend akklimatisiert.

Der erste Tag war grausam.
Von Yuksom auf einer Seehöhe von ca. 1700m geht es 17 km auf 2900m nach Tshoka, eine der letzten tibetischen Ansiedlungen in Sikkim. Klingt nicht so schlimm. Nominell also 1200m Höhenunterschied – in Wirklichkeit sind es aber 1700, weil die ersten 4-5 Stunden oszilliert man mit leichter Tendenz nach oben vor sich hin. Ein ansteigendes auf und ab, das zermürbt. Bis es am Ende nochmals 800m an Höhe – rein subjektiv empfunden senkrecht – jedenfalls aber sehr steil zu bewältigen ist. Also nur mehr hinauf, nix mehr hinab. Das zermürbt ebenso.
3 malayische Marathonläufer und ich sind am 11.4. um 8:30 h morgens als gemeinsame Gruppe für die nächsten 8 Tage gestartet – sie waren so intelligent, ihr Gepäck auf Dzo’s (Yak’s) zu verladen, während auf meinem Rücken so ca. 30 Kg fest und sicher verschnallt hingen (einige nicht benötigte Sachen für diese Tour wie Laptop, Steigeisen, etc. sind in Yuksom geblieben). Wenn schon Vorbereitung, dann zumindest unter halbwegs authentischen Bedingungen.

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Meine asiatischen Bergpartner sind es ziemlich sportlich angegangen, haben gleich am Anfang einen Sprint hingelegt, als ginge es um eine Meisterschaft.
Irgendwie verständlich – sie waren überhaupt zum ersten Mal in den Bergen, da können einem schon die Pferde durchgehen. Ich als ehrgeiziges Herdentier natürlich hinten nach, was mit der Last am Rücken aber bedeutet, dass der Drehzahlmesser ab der 2 Minute im roten Bereich anschlug. Grundsätzlich einmal eine recht ungünstige Ausgangslage, wenn’s um eine längere Ausdauerleistung geht.
Nach der ersten Stunde waren meine Mitstreiter aus den Augen und die rote Laterne bei mir. Das war übrigens zugleich der Zeitpunkt, an dem mein Wasservorrat für diesen Tag zur Neige ging – aufs essen kann man bei so einer Anstrengung sowieso verzichten.
Unglücklicherweise hatte ich zwei Tage zuvor noch eine Thukpa (eine tibetanische Nudelsuppe) gegessen, die meinen Aktionsradius am Vortag des Treks auf gerade einmal 20m um die jeweils nächste Toilette einschränkte und dafür sorgte, dass so ziemlich alle jemals vorhandenen Elektrolyte unfreiwillig aber dafür rasch den Körper verließen.

Pünktlich beim letzten großen Anstieg war‘s dann soweit – es fängt an zu regnen und Krämpfe in den Oberschenkeln setzten ein. Einerseits der Elektrolytmangel und andererseits ein Crash-Kurs in Muskelaufbau – verursacht durch Steinstufen mit 20-30 cm höheren Schritthöhen als in der Vorbereitung – sorgen dafür, dass das mit den Krämpfen die nächsten 4 Stunden bis ins Ziel anhält. Gemeinsam mit dem Regen natürlich. Ein Bilderbuchstart also – alles was nicht von selbst schief läuft, wird konsequent durch eigenes Fehlverhalten verhaut.

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Aber trotzdem, nach 8:30 h in Tshoka angekommen und mit noch immer zitternden Oberschenkeln ,den Blick nach unten ins wolkenverhangene Tal gerichtet ,sind die letzten Stunden sofort vergessen. Das positive Gefühl endlich oben zu sein ist bei weitem stärker als die Erinnerung an die vorangegangenen Anstrengungen. Das war zwar der Erste, zugleich auch recht extreme Tag, mit Sicherheit aber werden ähnliche, wahrscheinlich sogar noch härtere Folgen.

Mir war in dem Augenblick klar, dass diese Tour ein Motto, einen Leitspruch benötigt. So ein „spinning wheel“ das durchhalten lässt oder vorantreibt, wenn’s zäh läuft. Ich habe vorerst eines gefunden, das diesen Tag und wohl auch die Erwartungen an die kommenden Wochen am ehesten widerspiegelt:

„When the going get’s tough, the tough get going.“

Sollte jemand einen passenderen Vorschlag dazu finden bitte sofort in die Tastatur greifen und einen entsprechenden Kommentar schreiben. Ich freue mich über jede Mitteilung.

Die weiteren Aufstiege ab dem zweiten Tag verliefen besser. Ausreichend Elektrolyte und Rastzeiten gaben genug Power, um die weiteren Höhenmeter mit Anstand zu absolvieren. Ab einer Seehöhe von 4000m wird die Luft dünner, das Atmen und die Beine schwerer. Nur die Schwerkraft nimmt nicht spürbar ab – leider. 30 Kg bleiben 30 Kg.

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Täglich ziehen am frühen Nachmittag Wolken auf und je nach Höhenlage fängt es an zu regnen oder schneien. Ein Umstand, auf den man sich einstellen muss – d.h. im Normalfall aufstehen um etwa 5 Uhr, um dann so gegen 7 Uhr aufzubrechen. Bei Touren zu besonderen Aussichtspunkten (Dzongri Hill und Goecha La) wird’s natürlich noch früher, so gegen 3 Uhr. Da sollte man bei Sonnenaufgang am jeweiligen Gipfel sein. Zu dem Zeitpunkt ist die Luft am Klarsten und die Sicht am Schönsten.

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Ein Highlight war sicherlich der Ausflug zum Dzongri La, weil einen Logenplatz beim 1. Open-Air-Zipfl-ääh-Gipfl-Fest auf diesem Pass zu bekommen ist schon etwas ganz besonderes. Vor allem weil dieses Ereignis wahrscheinlich einzigartig bleiben wird.
Das grundsätzliche Reiseziel meiner 3 malayischen Bergfexe war nicht der vielzitierte konfuzianische Weg, sondern galt ganz klar dem Schnee. Bei 27° im Süd-ostasiatischen Winter eher spärlich in freier Natur zu finden, mussten sie erst weite Wege gehen um ihn auch wirklich finden. Bei herrlichem Sonnenschein auf 4400m Seehöhe und umgeben von weißer Pracht war’s dann um jeden der drei geschehen – die Herren suchten Kontakt. Intensiv, sinnlich und in einer Art kinästhetischem Sinnesrausch selbstverständlich voll und ganz(körperlich).

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Am Abend im heimischen Zelt war dann aber Schluss mit lustig. Da stand dann wieder kollektives Zähneklappern am Programm – und zwar in einer Lautstärke, die jeden burgenländischen Storch vor Neid erblassen lassen würde. So übermotiviert die drei Herren auch an ihre kindlichen Schneespiele herangegangen sind, dementsprechend nachlässig waren sie bei der Auswahl ihrer Ausrüstung. Nämlich so, als ginge es zum verregneten Kindercamping in den Stadtpark von Kuala Lumpur. Regenschirm, feste Regenjacke, Laufschuhe und ein Sommerschlafsack war einheitlicher Hochgebirgs-Standard. Bei nächtlichen Außentemperaturen von -8° bis -10° ein sicherlich zünftiges Erlebnis.

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Der Aufstieg zum Goecha La galt dann (rein zufällig) der Ego-Politur. Nicht dass ich es nötig hätte, trotzdem tut es zwischendurch gut. Um 3:30 in der Früh sind wir gemeinsam aus dem Zeltlager bei sternenklarer Nacht in Richtung Pass losgegangen. Ich war diesmal den ersten Tag ohne Gepäck nur mit Fotoausrüstung unterwegs und nachdem ich das Gefühl hatte meine Bergfreunde trödeln ein wenig, habe ich mir einen der beiden Guides geschnappt und das Tempo ein wenig angezogen.

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Der Grund war eigentlich die Angst, das Wetter könnte umschlagen und ich würde den Aussichtspunkt wolkenverhangen und ohne Ausblick auf den Kandzchenjunga erreichen. Schlussendlich habe ich ihnen mehr als eine Stunde abgenommen, den Herren Kompetitoren – und war nach ausgiebiger Fotosession schon längst wieder auf dem Rückweg, als sie mir am Weg hinauf entgegenkamen. Positiv aufgefallen war mir danach, dass Schluss war mit den ständigen Zeitvergleichen, wer wie lange für welchen Streckenabschnitt benötigt hatte.

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Einer der drei war ganz zurückgefallen – er hatte ausgelatschte Laufschuhe, d.h. der Grip war ihmabhanden gekommen. Deshalb wollte er zuerst mit seinen lederbesohlten (Straßen)Halbschuhen den Pass besteigen. Was wir ihm glücklicherweise ausreden konnten. Als Alternative besorgte er sich für den Aufstieg leihweise vom Dzo-man (Yak-Führer) gegen ein kräftiges Trinkgeld dessen knallgelben Gummistiefel. Bewundernswert und zugleich eine Selbstgeißelung der Sonderklasse – mit dünnen, nicht verstärkten Gummisohlen über 8h durch Eiseskälte und Schnee, spitze und scharfe Felskanten auf eine Seehöhe von ca. 4.900m zu steigen.

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Die Tage bis zur Rückkehr nach Yuksom verliefen völlig entspannt, im täglich gleichen Trott von aufstehen, essen und gehen. Die Stimmung in der Gruppe war hervorragend, die Mannschaft (Guide, Träger, Dzo-man) war zufrieden weil sie am letzten Abend ausreichend Trinkgeld bekommen hatte.

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Die 3 Malayen hatten einen Kuchen bekommen, weil sie das 1. Mal auf einem Pass dieser Höhe waren.
Ich war happy wieder im Tal zu sein, mit einer Reihe von neuen Erkenntnissen für den weiteren Verlauf der Tour und endlich auch den Kandzchenjunga vom Osten aus in seiner vollen Größe vom Goecha La aus gesehen zu ha ben. Jetzt geht es weiter mit dem Jeep nach Darjeeling (West-Bengal) und von dort so schnell wie möglich nach Kathmandu um die notwendigen Genehmigungen für Nepal zu organisieren.

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