30 Stunden im Bus hatte es gedauert, um von Rishikesh in Uttarakhand nach Manali in Himachal Pradesh zu gelangen. Manali ist jener Ausgangspunkt in den Ausläufern des Himalayas, der für viele Bergtouristen als Drehscheibe für eine Weiterreise in die Region Ladakh im Bundesstaat Jammu & Kashmir gilt. Manali ist aber auch einer jener typischen, im Lonely-Planet erwähnten Orte, in den vornehmlich Rucksack-Touristen die sich an diesem Reiseführer orientieren pilgern – dementsprechend ähnelt es ein wenig Kathmandu – ist also sozusagen ein „Klein-Kathmandu“. Soll heißen, es gibt eine endlose aneinander-Reihung von Restaurants, Souvenier-, Billigkleider-, Bakery- und Coffeeshops, in denen man vornehmlich Jung-Hippies auf ihren Royal Enfield Motorrädern und Alt-68er mit ausgeprägtem Hang zum Kiffen antrifft.

Mein Plan war, direkt von Manali aus über den Pin Paravati-Pass ins Spiti-Valley zu gehen, um von dort aus dann weiter nach Leh in Ladakh zu maschieren. Eine Tour, die gemeinsam so zwischen 20 und 25 Tage in Anspruch nehmen sollte – vorausgesetzt, man kann sie absolvieren.

Die Überquerung des Pin Paravati Passes gilt als einziger Treck hier in den Bergen, der nicht von Pferden passiert werden kann, d.h. man muß auf Träger zurückgreifen. Am Passrücken ist ein Gletscher zu überschreiten, der alleine nicht zu bewältigen ist, weil man auf Grund der vielen Gletscherspalten am Seil gehen sollte.

Eigenständig Träger ohne lokale Verbindungen zu finden ist ein hoffnungsloses Unterfangen – glücklicherweise konnte ich wieder auf die Unterstützung von Weltweitwandern zurückgreifen und dessen lokalen Vertreter mit dieser Aufgabe betrauen. Bereits im ersten Gespräch wurde mir erklärt, dass es schwierig werden würde eine Person zu finden die mitgeht. Nach 5 Tagen und den Gesprächen mit ungefähr 20 potentiellen Begleitern war klar, dass nichts daraus werden würde. Dazu wurden vor allem zwei Gründe angeführt: zum einen, weil dieses Jahr noch niemand den Pass überschritten hatte und mit viel Schnee zu rechnen war und zum anderen – die Träger sind nicht gewohnt alleine mit einer Person zu gehen und scheuen sich, diese Verantwortung zu übernehmen. Ich hätte wahrscheinlich eine ganze Truppe von 6 oder 7 Trägern bekommen die leer mitgegangen wären oder zumindest nur ihre eigenen Sachen getragen hätten. Der Aufwand stand jedoch nicht dafür.

Also wieder Planänderung:
Mit dem Auto ins Spiti-Tal und dort dann alleine zu Fuß weiter nach Leh. Die Anfahrt mit dem Jeep bis nach Kaza, der Distriktshauptstadt in Spiti dauerte 10 Stunden, führte über 2 Pässe und war trotz der schlechten Straße relativ problemlos von statten gegangen.

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Für den Marsch nach Ladakh benötigt man eine Genehmigung da man relativ nahe an der tibetischen Grenze vorbeikommt –die war diesmal überraschend einfach zu erhalten. Die Zeit des Aufenthalts in Kaza konnte ich deshalb dazu nutzen, mir für 24h ein Motorrad auszuleihen und eine kulturelle Besichtigungstour durchzuführen – eigentlich dachte ich, auf dieser Reise ohne Motorrad auszukommen, aber ganz ohne geht’s anscheinend doch nicht…

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Das Spiti-Tal ist wie Ladakh selbst eine sehr trockene, weitgehend vom Monsun abgeschirmte Region mit einer starken buddhistischen Tradition. Eine Reihe von Gompas entlang des Spiti-Flusses zeugen von der Spiritualität dieser Gegend und laden ein ausgiebig in Augenschein genommen zu werden. Die Landschaft ist karg und das Leben konzentriert sich auf die wenigen, fruchtbaren Stellen entlang des Flusses oder den Seitentälern.

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Gesprochen wird im Spiti-Tal ein tibetischer Dialekt, der sich von der ursprünglichen Sprache in Tibet so stark unterscheidet, dass man sich nicht versteht. Die Menschen sind ruhig, gelassen, freundlich und laden immer wieder von selbst ein, fotografiert zu werden. Dalai Lama hat mehrmals betont, dass er von diesem Tal, den Menschen und der Spiritualität so beeindruckt ist um hier seinen Lebensabend verbringen zu wollen.

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Bei der Besichtigung der Klöster gibt es eigentlich keine Beschränkungen – bis auf jene die in allen Gompas gilt: In den Gebetsräumen darf nicht fotografiert werden. Gegen eine kleine Spende sind Mönche gerne bereit, durch die Räumlichkeiten zu führen – wobei im Grunde überall Zutritt gewährt wird. Zum Abschluss gibt es dann in der Klosterküche einen gesalzenen Buttertee.

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Nach 3 Tagen Spiti geht’s zu Fuß weiter über den ParangLa – Pass, durch die Chamtang-Region vorbei am Tso Moriri (Moriri-See) und durch die Stok-Berge bis nach Leh. Eine einsame, langwierige und aufregende Wanderung.
Lg Heinz

 

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