Rishikesh, die am Ganges gelegene Stadt in den Ausläufern des Himalayas gilt als Ausgangspunkt für jährlich hunderttausende Pilger, die als Gläubige Hindus von hier aus ihre Reise zu den heiligen Stätten in den Garhwal Himal antreten. Die geringe Seehöhe von 365 m bedingt, dass gerade in den Monaten May / Juni mit Temperaturen über 40° Celsius zu rechnen ist. Ein schwerer Schlag, wenn man so wie ich direkt aus den Bergen anreist, overdressed mit der schweren, wetterfesten Trekkingbekleidung.

1-_MG_3989

1-_MG_4021

1-_MG_4037

1-_MG_3848

1-_MG_4062 (1)

1-_MG_3974

Trotzdem war dieser Ort eine willkommene Abwechslung zu den einsamen Tagen in den Bergen. Das Leben konzentriert sich zu beiden Seiten des heiligen Flusses Ganges auf unzählige Tempel, Ashrams (Yoga/Meditationszentren) und Einkaufsstraßen, in denen Devotionalien, touristischer Kitsch und gastronomische Vielfalt eine bunte Mischung für all jene bilden, die einfach nur herumschlendern oder aus den kühlen Wassern des Ganges steigen. Pilger und heilige Männer, in- und ausländische Touristen, Straßenhändler und Bettler wuseln in Massen herum, sorgen für ein farbenfrohes Tohuwabohu und bei schwachen Nerven ob der Reizüberflutung schon auch mal für Platzangst.

1-_MG_3909

1-_MG_4057

1-_MG_4032

1-_MG_4045

1-_MG_3940

1-_MG_4060

1-_MG_4034

Das (Chota) Char Dam ist ein Muss für jeden gläubigen Hindu – es bedeutet das man zumindest einmal im Leben vier heilige Plätze in den Garwhal Himalayas besuchen sollte. Vergleichbar mit den Christen, die zumindest einmal nach Rom pilgern sollten oder die Muslims nach Mekka. Mein Char Dam von Badrinath über den Kalindi Khal – einem ca. 5.900m hohen Pass – nach Gangotri wurde mir leider mangels Genehmigung gestrichten. So blieb mir eigentlich nur die direkte Anreise nach Gangotri um von dort zu Fuß zur Quelle des Ganges hochzumaschieren.
Gangotri, der Ursprung des Ganges und Sitz des Gottes Ganga ist ein kleiner Ort in den Bergen, von dem aus man in einem ca. 20km langen Fußmarsch direkt nach Gaumukh, der Quelle des Ganges gelangt.

1-_MG_4080

1-_MG_4086

1-_MG_4104

1-_MG_4067

1-_MG_4076

Zig-tausende Pilger, die jährlich diesen Weg beschreiten haben eine Pilger-Autobahn durch die Natur geformt, die einfach zu beschreiten ist. Die meisten Inder benötigen für die Strecke 2 oder 3 Tage, wenn man so wie ich einmal ohne Gepäck unterwegs sein kann, schafft man’s auch leicht in einem Tag – am Morgen rauf und am Nachmittag wieder runter.

1-_MG_4111

1-_MG_4116

Landschaftlich ist dieses Tal entlang des Ganges, gesäumt von schneebedeckten
Bergen, eine Augenweide. Man merkt aber an den Menschen, die sich hier rauf und runter bewegen, dass nicht das Naturerlebnis oder sportliche Betätigung im Vordergrund stehen sondern die Spiritualität. Viele der Pilger sind zu Fuß über tausende Kilometer in ihren orangen Wickelgewändern bis hierhin marschiert, um in einem Blechgefäß heiliges Wasser von der Quelle des Ganges zu schöpfen und dieses wieder tausende Kilometer in ihre heimatlichen Tempel zurück zu tragen. Eine asketische Reise – ohne Geld, Verpflegung und Unterkunft sind sie täglich ohne zu betteln auf Zuwendungen angewiesen. Massenweise stromen diese hageren Gestalten durch das Land, werden von der Gesellschaft als ehrenwerte Männer angesehen und dementsprechend unterstützt.

1-_MG_4120

1-_MG_4122

1-_MG_4145

In Gaumukh – dem „Maul der Kuh“ – der eigentlichen Quelle des Ganges schießt das Wasser als reißender Fluss unter der Abrisskante eines 28 km langen Gletschers talwärts. Ein heiliger Ort, an dem es für Gläubige Hindis das Ziel ist, in den eiskalten Fluten zu baden. Selbst als religionsbefreiter Mensch spürt man die Spannung an diesem Ort, übertragen durch die Gebete, Riten und Zelebrationen der ans Ziel gekommenen. Als bekennenden Warmduscher bringt mich aber nichts in der Welt dazu, in das eisige Wasser zu steigen.

1-_MG_4215

1-_MG_4185

1-_MG_4186

1-_MG_4199

1-_MG_4201

1-_MG_4209

1-_MG_4244

Nach Gangotri zurückgekehrt, geht es für mich weiter nach Manali, von wo aus ich in einer mehrwöchigen Tour über das Spiti-Valley bis nach Leh und von dort dann weiter über Zanskar in Richtung Westen marschieren werden.
So long, Heinz

 

Leave a Reply